Langsames iPhone – Was ist dran am Mythos?

Seit vielen Jahren wird Apple eine, gelinge ausgedrückt, rücksichtslose Verkaufsstrategie nachgesagt. Mit der Veröffentlichung einer neuen iPhone Generation scheinen alle älteren Modelle plötzlich langsamer zu laufen. Grund dafür soll die mit jedem neuen iPhone erscheinende iOS-Version sein. Ziel sei es die mit langsamen iPhones geplagten Nutzern zum Upgrade aufs neueste Modell zu bewegen. Die jüngste Enthüllung, bei der Apple jene iPhones mit alten Akkus verlangsamt, scheint den Mythos um die geplante Obsoleszenz zu bewahrheiten. Oder etwa doch nicht?

Am 20. Dezember gab Apple das zu, was viele iPhone-Besitzer und mit der Technikwelt vertraute Personen lange vermuteten. Nämlich, dass alte iPhone-Modelle durch Apple bewusst verlangsamt werden. Seit rund einem Jahr nutzt der Konzern ein mit iOS 10.2.1 eingeführtes Features, um die Performance zu mindern, was letztlich den alternden Akku schonen soll. Während es rein technisch betrachtet sinnvoll ist die Leistung zu senken, um einen altersschwachen Akku zu schonen, so ist die mangelnde Transparenz hierüber der eigentliche Aufreger. Erst nachdem ausführliche Tests gezeigt haben, dass sogar das zwei Jahre alte iPhone 6s plötzlich an Leistung einbüßt, sah sich Apple zu einem Statement gezwungen.

Neben einer öffentlichen Entschuldigung sowie der Betonung des Kundenvertrauens wird das ganze Jahr 2018 über betroffenen Kunden ein günstigerer Akkutausch angeboten. Statt den üblichen 89 Euro sind lediglich 29 Euro fällig. Für manch einen iPhone-Besitzer immer noch zu viel Geld für einen eigentlich selbstverständlichen Service nach solch einem Patzer. Jedenfalls erklärt Apple auf seiner Informationsseite, welche technischen Hintergründe die Verlangsamung des iPhones bei alten Akkus bergen. Die Akkukapazität schwächelt nach rund 500 Aufladungen (entspricht etwa anderthalb bis zwei Jahren), sodass die maximale Kapazität auf nur noch 80 % des ursprünglichen Wertes kommt. Auch bei sehr kalten Temperaturen oder einer geringen Aufladung würde die Leistung des iPhones abnehmen. Üblicherweise würde in solch einem Szenario das iPhone automatisch abschalten, um sensible Komponenten zu schonen. Um plötzliche Neustarts des Gerätes zu verhindern, hat Apple also kurzerhand die Leistung des Gerätes gesenkt, falls der Akku schwächelt. Also entweder Leistung und dauernde Neustarts oder aber geringere Leistung ohne plötzliches Abschmieren. Kein Wunder also, dass die Crash-Rate bei iPhones im Vergleich zu Android Geräten geringer ist.

Täuschung oder Technik – Eine Antwort wird noch geliefert

Dass Apple diese Methode so lange unterm Tisch hielt ist die eigentliche Kontroverse. In manch einer Kommentarspalte wird Apple vorgeworfen mit genau dieser Methode seine Verkaufsstrategie zu verfolgen. Etwa indem Nutzern nicht gesagt wird, dass ein einfacher Akkutausch genügt, um die Leistung in ihrem älteren iPhone wiederherzustellen. Stattdessen habe der Konzern zugesehen wie frustrierte Besitzer eines älteren iPhone aufs neue Modell aufrüsten. Apple hat also Geld gespart mit nicht vorgenommenen Akkuwechseln sowie Geld verdient mit Kunden, die upgraden. Zwei Sammelklagen sind in den USA eingereicht worden und es bleibt abzuwarten wie die Verhandlung läuft und welches Urteil gesprochen wird.

Mythos „langsames iPhone“ – Was ist der wahre Grund?

Aber kann man dies schon als Beweis des jahrelangen Mythos ansehen, wonach Apple bewusst ältere Modelle verlangsamt? Und zwar ohne irgendeine technische Begründung wie bei der aktuellen Geschichte, sondern lediglich gewinngetrieben? Zumindest lässt sich jedes Jahr im Herbst ein Trend in den Google Suchanfragen erkennen: „iPhone slow“ stürmt stets auf die obersten Plätze. Den Unterschied zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiver Tatsache können uns aber nur ausführliche Tests deutlich machen.

Der wahre Grund dafür, dass nach Release einer neuen iOS-Version ältere iPhone-Modelle etwas oder deutlich langsamer werden, hat jedoch wenig mit bösen Absichten Apple’s zu tun. Wie verschiedene Experten auch anderer Konzerne wissen, hängt die Verlangsamung mit frisch eingeführten Features der neuen Software zu tun. Lädt man beispielsweise eine neue iOS-Version auf sein beispielsweise drei Jahre altes iPhone 6, so steht erst einmal ein komplizierter Prozess an. All die vorhandenen Daten müssen mit der neuen Software erst einmal indexiert werden, was einige Tage in Anspruch nehmen kann. Schließlich sollen beim „Umzug“ keine Daten verloren gehen. Also allen voran in den ersten Tagen nach dem Update sollten manche Apps langsamer starten, während das ganze Gerät etwas schläfriger zu arbeiten scheint.

Und was kann man selbst tun?

Es gibt aber Möglichkeiten, um das Gerät wieder auf seine ursprüngliche Geschwindigkeit zu bekommen. Ist das iPhone einige Jahre alt, dann hilft am ehesten wohl ein Akkuwechsel. Darüberhinaus sollte man darauf achten den internen Speicher nicht bis ans Limit vollzustopfen. Und auch beim Update auf eine neue iOS-Version kann man vorbeugen: man sichert vorab seine persönlichen Daten, bereinigt das iPhone und startet dann das Update. Die Daten lassen sich dann hinterher über einen Mac oder die Cloud wieder aufs iPhone ziehen. Das ist zwar nicht die bequemste Art ein Update durchzuführen, aber die verlorene Zeit spart man später, in dem man nicht durch ein langsames iPhone gequält wird.

Bild: pexels.com

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